Dienstag, 5. März 2013

Ich bin in Bâle aufgewachsen

In der Schweiz gibt es eine Stadt, die heisst auf Deutsch „Luzern“, auf Französisch „Lausanne“ und auf Italienisch „Locarno“ - nein, ganz so ist es natürlich nicht, aber Ortsnamen auf verschiedene Sprachen ist ein Thema, das manche Überraschung birgt.

Es gibt Ortschaften, die leisten sich den Luxus, einen Ortsnamen in unterschiedlichen Sprachen zu haben. Basel heisst auch Bâle oder Basilea, Zürich verzichtet in fremden Sprachen auf die Pünktchen und fährt auf Italienisch das Sonderzüglein Zurigo, Biel schmückt sich gern mit dem Doppelnamen Biel/Bienne, so kann man es auch leichter von Biel-Benken und Biel VS unterscheiden.

Das ist kein rein schweizerisches Phänomen. Besonders bei italienischen Städten sind wir uns neben den italienischen Namen auch deutsche Namen gewohnt: Wie heissen Venedig, Rom, Florenz und Genua nochmals im Original?

Stutzig bin ich zum ersten Mal geworden, als ich über Franz Hohlers Programm „Der Flug nach Milano“ gestolpert bin: Moment, die Stadt hat doch auch einen deutschen Namen, wie hiess der noch gleich... Mailand? Kann man denn in einem deutschen Satz den fremdsprachigen Namen einfach verwenden, auch wenn es einen deutschen Namen gibt?

Nun, niemand spicht vom „Zug nach Firenze“ oder nimmt den „Autobus nach Genève“. Wir machen keine Städtereise nach Praha, Warszawa oder Athina - aber „Fribourg“ kommt durchaus in deutschen Sätzen vor, man kann Freiburg im Üechtland dann besser von Freiburg im Breisgau unterscheiden. Auch „Neuchâtel“ kann man in deutschen Sätzen hören, obwohl es doch mit „Neuenburg“ einen deutschen Namen gibt. Und mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass „Delémont“ auch in deutschen Texten häufiger verwendet wird als „Delsberg“. Dass man so selten von „Sitten“ und so oft von „Sion“ hört, ist gewiss dem dortigen Fussballclub und seinem eigenwilligen Präsidenten geschuldet.

Gibt es das Phänomen auch umgekehrt? Deutschsprachige Ortnamen, die in französischen Texten verwendet werden, obwohl es einen französischen Ortsnamen gibt? Kann man in französischen Sätzen „Solothurn“ sagen statt „Soleure“, „Murten“ statt „Morat“?

Ich weiss nicht, wie häufig es ist, aber ein Beispiel kenne ich: wenn man im Bahnhof Bern die Durchsage hört, wann und wo der nächste Zug nach Kerzers fahre, dann wird auch in der französischen Ansage „Kerzers“ gesagt, und nicht „Chiètres“.

1 Kommentar:

  1. Im TGV Paris - Stuttgart (- München) und zurück, den ich als Berufspendler öfters benutze, kommt es meiner Beobachtung nach auf Nationalität und Tagesform des Zugpersonals an. Deutsche Zugpersonale benutzen schon mal "München" und "Basel" statt des jeweils korrekten "Munich" und "Bâle" in den französischsprachigen Ansagen. Die Franzosen versuchen meiner Beobachtung nach konsequent die Städtenamen der jeweiligen Ansagesprache zu verwenden, was insbesondere bei der englischen Ansage gelegentlich zu lustigen Effekten führt.

    Mit Freiburg/Fribourg ist meine Schwester vor Jahren mal im Raum Bordeaux beinahe auf die Nase gefallen. Sie hat zu der Zeit in Freiburg (Breisgau) gelebt, wollte eine Rückfahrkarte nach dort und hatte sehr große Mühe, den SNCF-Schaltermenschen davon zu überzeugen, daß es neben dem ihm bekannten Fribourg in der Schweiz noch ein anderes Fribourg gibt.

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