Freitag, 22. Februar 2013

Staatsehepaare

Eine der ersten politischen Debatten, die ich bewust wahrgenommen habe, war 1985 der Abstimmungskampf um das neue Eherecht. Der Bogen, den man von dort zum Familienartikel ziehen kann, der in einer Woche zur Abstimmung kommt, ist... interessant.

Der aktivste Kopf im rechtsbürgerlichen Komitee, welches 1985 das neue Eherecht bekämpfte, war Christoph Blocher. Er wandte sich gegen die neue Regelung, dass die Ehepartner gemeinsam für Erwerbs- und Hausarbeit verantwortlich sind, und selbst festlegen, wer welche Aufgaben übernimmt. Lieber wollte er an der früheren Regelung festlegen, wonach der Mann für die Erwerbsarbeit zuständig ist.

Mit anderen Worten: Blocher wollte damals „Staatsehepaare“, die sich vom Gesetzgeber vorgeben lassen, wer in der Ehe welche Aufgaben zu übernehmen hat. Heute hingegen wettert er gegen „Staatskinder“, wenn der Familienartikel das Angebot machen soll, Kinder in Krippen zu betreuen und so die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit zu verbessern. Honi soit qui mal y pense.

Obwohl meine Frau und ich jetzt (das war nicht immer so) eine traditionelle Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit haben, bin ich froh, dass wir kein „Staatsehepaar“ sind. Und natürlich möchte ich auch nicht, dass meine Kinder zu „Staatskindern“ werden. Ich hege aber keinerlei Befürchtung, dass sie dies in einer Kinderkrippe tatsächlich würden.

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