Freitag, 22. Februar 2013

Muss ich das glauben?

Heute war der Kursabend zum Thema „Dogma, Dogmatik, Dogmatismus“, der dritte und letzte Abend im Kurs „Kann ich das wissen oder muss ich das glauben?“ der christkatholischen Kirchgemeinden Schönenwerd-Niedergösgen und Aarau.

Das Wort „Dogma“ und das ganze damit zusammenhängende Wortfeld hat eine denkbar schlechte Presse. Ein Dogma als etwas, das behauptet wird, ohne eine Begründung zu liefern, das man halt glauben muss, ohne es hinterfragen zu dürfen; Dogmatik als die Zementierung dieser Behauptungen. Nun, ich sehe und praktiziere das etwas anders. Hier meine Definitionen:

Ein Dogma ist eine verbindliche kirchliche Lehrentscheidung, die eine Frage des christlichen Glaubens betrifft, welche nach Überzeugung der Kirche so zentral ist, dass eine grundsätzliche Ablehnung dieser Lehre die Integrität des Glaubens (=Katholizität) bedroht und eine kirchliche Gemeinschaft mit demjenigen, der sie ablehnt, unmöglich macht.

Dogmatik ist derjenige Teilbereich systematischer Theologie, welcher den sachlichen Gehalt des Glaubens untersucht, wie er sich auf der Basis des biblischen Zeugnisses in den offiziellen Glaubensentscheidungen (Dogmen) der Kirche und in den theologischen Reflexionen ihrer Vertreter zeigt.

Dabei stellt Dogmatik durchaus auch die kritische Rückfrage nach der Wahrheit der Dogmen und anderer offizieller kirchlicher Lehren. Das sehen in der Theologie zwar nicht alle so: Manche verstehen Offenbarung als eine Art Paketsendung Gottes, in der Lehrsätze enthalten sind, und bei der man nur die Zuverlässigkeit der Absenderangabe prüfen müsse; wenn das Paket tatsächlich von Gott stamme, müsse man die Wahrheit der Lehrsätze einfach annehmen, ohne sie inhaltlich zu begründen, und dürfe gar nicht mehr kritisch zurückfragen. Dogmatik müsse Dogmen nur erläutern, nicht hinterfragen.

Ich bin, wie gesagt, anderer Meinung: Es ist durchaus auch Aufgabe der Dogmatik, die Wahrheitsfrage zu stellen. Das ändert nichts an der Verbindlichkeit des Dogmas für eine bestimmte Glaubensgemeinschaft. Eine Dogmatik, welche die Wahrheit eines Dogmas verneint, hebt nicht dessen Verbindlichkeit für die Glaubensgemeinschaft auf, sondern hört ihrerseits auf, Dogmatik für diese Glaubensgemeinschaft zu sein. Das wird aber nur selten vorkommen und ist auch nicht das Ziel, das ich mit meinem Bestehen auf der Wahrheitsfrage verfolge. Es geht mir einfach darum, dass sich die Dogmatik nicht mit dem Hinweis auf göttliche Urheberschaft des Dogmas von der Wahrheitsfrage dispensieren kann. Gelernt habe ich das übrigens von Wolfhart Pannenberg, aber das nur am Rande.

Zu was Dogma und Dogmatik beide nicht werden sollten, ist Dogmatismus: Diesen definiere ich als das sture Festhalten an einer Lehre, Meinung oder Haltung, wobei Kritik nicht ernst genommen und auch nicht argumentativ entkräftet wird, sondern in erster Linie versucht wird, sie mundtot zu machen.

Obwohl es ganz ähnlich klingt, ist dies das genaue Gegenteil von Dogmatik.

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