Freitag, 8. Februar 2013

Leben wie Gott in Frankreich

Meine (leicht jahreszeitabhängigen) Fixpunkte bei einem Paris-Aufenthalt: Tee bei Mariage Frères, heisse Schokolade im Angelina und Walderdbeeren-Glace bei Berthillon. Und abends in eine Brasserie - leben wie Gott in Frankreich.

Natürlich pochen die Engländer darauf, dass sie die erste Tee-Nation Europas sind, aber wenn es um Genuss geht, wollen die Franzosen immer ein Wörtchen mitreden. Und so gibt es in Paris eine Reihe von exklusiven Teehäusern. Mein Favorit ist Mariage Frères, maison fondée 1854, wo man über 600 Teesorten kaufen kann. Und degustieren.

Mariage Frères importiert Tee aus aller Welt, in allen Qualitätsstufen, und produziert eigene Mischungen. es gibt dort nicht "Earl Grey", sondern "English Earl Grey", "Breakfast Earl Grey", Smoky Earl Grey", "Earl Grey Oolong", "Grand Earl Grey" aus Ceylon, "Earl Grey Impérial" mit aus Indien (Darjeeling), "Roi des Earl Grey" aus China (Yunnan), und einige mehr. Es gibt nicht Darjeeling, sondern Tees aus bestimmten Gärten und unterschiedlichen Ernten. Und auch die Preisunterschiede sind gewaltig.

In zwei der Teehäuser in Paris wird der Tee nicht nur verkauft, sondern auch serviert. An der Rue du Bourg-Tibourg im Marais (4. Arrondissement) und an der Rue des Grands-Augustins in Saint-Germain-des-Prés (6. Arrondissement) kann man im Salon de Thé Platz nehmen und jeden Tee trinken, auf Wunsch begleitet von warmen Scones mit Tee-Gelée, Macarons, Madeleines mit Grüntee-Bisquit und anderer Patisserie, oft mit Tee aromatisiert. Meine Tipps: 1. Bevorzugt den Salon de Thé im 6. Arrondissement, dort ist es weniger eng und hat meistens Platz. 2. Im Salon de Thé einen  edlen und teuren Tee bestellen - die Preisunterschiede im Salon sind nicht so gross wie beim Kauf. 3. Sich Zeit nehmen: der Tee ist perfekt zubereitet und kommt in einer Kanne, die vier Tassen fasst (was dann auch die hohen Preise wieder etwas relativiert), da kann man schon eine Weile sitzen bleiben.

Wem der Sinn eher nach der besten heissen Schokolade der Welt steht, der geht ins Angelina an die rue Rivoli 226 (1. Arrondissement). Eigentlich ist es eher eine Schokoladencrème, die im Kännchen und mit Tasse serviert wird: dickflüssig, heiss und zartbitter, wie es sich gehört. Dazu ein Stück köstliche Patisserie (bei mir war's ein St-Honoré-Törtchen), und das alles im Ambiente der Belle Époque. Allerdings ist auch dieser Genuss nicht billig, aber dann verzichtet man eben vorher aufs Mittagessen.

In wärmere Jahreszeiten gehört auch ein Gang zu Berthillon auf der Île Saint-Louis zum Programm. Dort gibt es hervorragende Glace. Zwar beziehen fast alle Cafés auf den Pariser Seine-Inseln ihr Eis von Berthillon, ich empfehle aber trotzdem den Gang zum Stammhaus (29-31, rue Saint-Louis en l'Île), dort hat man die volle Sortenwahl - und damit die Qual der Wahl. Ich empfehle, unbedingt Walderdbeeren zu probieren.

Möchte man nach so viel nachmittäglichen kulinarischen Genüssen abends noch in eine Brasserie gehen? Und ob! Zuerst heisst es "c'est l'heure du pastis", dann ein gepflegtes Dreigangmenu. In einem Monat mit "r" auch gern mit Austern. Diät halten kann man auch zu Hause.

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