Samstag, 16. Februar 2013

Abgangsentschädigungen

Daniel Vasella lässt sich das Verbot, nach seinem Abgang bei der Novartis zur Konkurrenz zu gehen, mit 72 Millionen vergolden. Wieviel bekommt eigentlich der Papst dafür, dass er nach seinem Rücktritt nicht zur Konkurrenz geht?

Am 3. März stimmen wir in der Schweiz über die Abzocker-Initiative ab. Nun kann man mit Fug und Recht geteilter Meinung sein, ob die Initiative oder der indirekte Gegenvorschlag, der bei Ablehnung der Initiative Gesetzeskraft erlangt, besser geeignet sei, um Abzockerei zu bekämpfen. Mir fällt einfach auf: Die Schweizer Wirtschaftsbosse hätten es in der Hand gehabt, exorbitanten Manager-Gehältern in der Vergangenheit den Riegel zu schieben. Sie haben es nicht getan. Und jetzt soll ich dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse glauben, dass sie den Gegenvorschlag befürworten, weil er Abzockerei schneller bekämpft?

72 Millionen dafür, dass man nach dem Abgang beim einen Unternehmen nicht zur Konkurrenz geht, ist einfach unanständig viel. Das Timing allerdings ist perfekt, so kurz vor der Abstimmung. Und interessant Vasellas Ankündigung, das Geld nicht behalten, sondern spenden zu wollen. Ist das Einsicht - oder die grösste indirekte Abstimmungspende in der Geschichte der Eidgenossenschaft? Immerhin verdient Vasella als Person Repekt für die Spende, wenn sie zu Stande kommt, und ich wüsste auch ein paar wohltätige Institutionen, die bereits mit einem Bruchteil der 72 Millionen viel bewirken könnten. Politisch ändert die Spende nichts - denn wenn ein Topmanager auf seine überhöhte Abgangsentschädigung verzichten kann, dann doch wohl, weil er vorher schon genug verdient hat...

Und der Papst, wieviel Abgangsentschädigung bekommt er, wenn er nicht zur Konkurrenz geht? Wobei man ja sagen muss, dass er kaum Gelegenheit hätte, das Geld auszugeben, und niemanden hinterlässt, der es erben könnte... Nein, im Ernst: Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich theologisch ganz anders denke als Benedikt XVI., aber er hat es in einem Alter, wo andere längst den Ruhestand geniessen, auf sich genommen, eine weltweite Organisation zu führen und in Personalunion Staatsoberhaupt zu werden. Und selbst wenn man der Meinung ist, er hätte die Kirche völlig anders führen müssen, so ist ein solcher Einsatz doch nicht selbstverständlich. Sein geruhsamer Lebensabend ist ihm zu gönnen, und er ist gewiss so bescheiden, dass er keine überhöhte Abgangsentschädigung braucht.

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