Freitag, 2. August 2013

Festansprache zur Bundesfeier

Als ich ungefähr acht, neun Jahre alt war, habe ich die Tellspiele in Interlaken gesehen. Mein Vater erzählte mir, auf der Freilichtbühne würden auch Tiere mitspielen, Pferde, Geissen und Kühe, am Anfang werde ein richtiger Alpaufzug auf der Freilichtbühne dargestellt. Als ich im Publikum sass und gespannt auf den Anfang der Vorstellung wartete, habe ich im Programmheft geblättert, und was habe ich da gelesen? Erster Aufzug – zweiter Aufzug – dritter Aufzug – nicht nur ein Alpaufzug, sondern deren fünf sollte es geben! Erst nach der Vorstellung habe ich mir erklären lassen, was „Aufzug“ in einem Theaterstück bedeutet.

Montag, 6. Mai 2013

Wie der Muttertag in die Schweiz kam



Der zweite Maisonntag des Jahres 1930 war ein besonderer Tag: Zum ersten Mal wurde in der Schweiz in grossem Stil der Muttertag begangen. Ein Importschlager aus Amerika, bei dem die Kirchen und die Floristen gemeinsame Sache machten.

Sonntag, 7. April 2013

Der Osterhase, konstruktivistisch betrachtet

Gibt es den Osterhasen? Er ist scheu, drum sieht man ihn nicht. Und wenn man sich auf die Lauer legt, um ihn zu erwischen, dann kommt er nicht und bringt auch keine Eier. Für meine beiden Töchter ist völlig klar, dass es den Osterhasen gibt, auch wenn man ihn nicht sieht.

Freitag, 5. April 2013

Osteroktav

Wenn ich das schreibe, haben wir gerade den Freitag der Osteroktav. Also die Woche nach Ostern. Die erste Woche der Osterzeit. Kurz und gut: es ist jene Zeit, wo wir immer noch ein bisschen Ostern haben. Nur bei den Grossverteilern, da merkt man nichts mehr davon.

Samstag, 9. März 2013

Rotund, bleckig, stromabwärts und katholisch

Als die alten Ägypter auf einem Feldzug an den Euphrat kamen, waren sie verwirrt: Dieser Fluss fliesst nach Süden, nicht wie der Nil nach Norden. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, aber den Ägyptern fehlten in ihrer Sprache die Begriffe, um das auszudrücken. - Das ist dreieinhalbtausend Jahre her, und doch geraten wir noch heute in ähnliche Situationen.

Dienstag, 5. März 2013

Ich bin in Bâle aufgewachsen

In der Schweiz gibt es eine Stadt, die heisst auf Deutsch „Luzern“, auf Französisch „Lausanne“ und auf Italienisch „Locarno“ - nein, ganz so ist es natürlich nicht, aber Ortsnamen auf verschiedene Sprachen ist ein Thema, das manche Überraschung birgt.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Gibt es „Geziefer“?

Es gibt „Ungeziefer“, aber gibt es auch „Geziefer“? Und wie nennt man ein Wort, das formal eine Negation darstellt, dessen positive Form aber völlig ungebräuchlich ist?

Sonntag, 24. Februar 2013

Rosenschokolade

Fastenzeit zum Trotz, da ich ein paar Dinge ausprobieren wollte, die ich von verschiedenen Reisen nach Hause gebracht habe, gibt es jetzt Rosenschokolade.

Freitag, 22. Februar 2013

Staatsehepaare

Eine der ersten politischen Debatten, die ich bewust wahrgenommen habe, war 1985 der Abstimmungskampf um das neue Eherecht. Der Bogen, den man von dort zum Familienartikel ziehen kann, der in einer Woche zur Abstimmung kommt, ist... interessant.

Muss ich das glauben?

Heute war der Kursabend zum Thema „Dogma, Dogmatik, Dogmatismus“, der dritte und letzte Abend im Kurs „Kann ich das wissen oder muss ich das glauben?“ der christkatholischen Kirchgemeinden Schönenwerd-Niedergösgen und Aarau.

Dienstag, 19. Februar 2013

72 Millionen zurückgerudert

Die Volksseele hat Daniel Vasella und den Novartis-Verwaltungsrat weichgekocht, die 72-Millionen-Abgangsentschädigung fürs Nichtstun wird gestrichen. Der Image-Schaden für Vasella und die Novartis bleibt, und sie sind ganz allein selber schuld.

„Kein Täter werden“

„Kein lebenslanges Berufsverbot für verurteilte Pädophile“, so lesen wir im „Blick am Abend“ vom letzten Freitag. Es geht um eine Volksinitiative, es geht um Strafrechtsverschärfungen im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Täter bestrafen ist das eine – doch was könnte man tun, damit sie gar nie zu Tätern werden?

Samstag, 16. Februar 2013

Abgangsentschädigungen

Daniel Vasella lässt sich das Verbot, nach seinem Abgang bei der Novartis zur Konkurrenz zu gehen, mit 72 Millionen vergolden. Wieviel bekommt eigentlich der Papst dafür, dass er nach seinem Rücktritt nicht zur Konkurrenz geht?

Mittwoch, 13. Februar 2013

Repräsentant und Gefangener des Systems

Der Papst tritt zurück! Als altkatholischer Theologe habe ich das Heu naturgemäss nicht mit Benedikt XVI. auf der gleichen Bühne, aber seine Rücktrittsankündigung nötigt mir Respekt ab. Sie bestärkt mich aber in der Auffassung, dass der Papst als absoluter Herrscher nicht nur Repräsentant eines autoritären Systems ist, sondern auch Gefangener dieses Systems.

Samstag, 9. Februar 2013

Zwei Arten von "Hôtel"

Im "Hôtel des Ville" kann man nicht übernachten, denn es handelt sich dabei nicht um das Stadthotel, sondern um das Rathaus. Selten kann man sich die beiden Bedeutungen von "hôtel" schöner vor Augen führen als an der rue Saint-Antoine in Paris.

Freitag, 8. Februar 2013

Leben wie Gott in Frankreich

Meine (leicht jahreszeitabhängigen) Fixpunkte bei einem Paris-Aufenthalt: Tee bei Mariage Frères, heisse Schokolade im Angelina und Walderdbeeren-Glace bei Berthillon. Und abends in eine Brasserie - leben wie Gott in Frankreich.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Promenade plantée

Paris ist immer für eine Überraschung gut. Wer bei der Bastille, gleich hinter der Oper, an der Avenue Daumesnil zwei Treppen nach oben steigt, findet sich auf der Promenade plantée wieder, einem Spazierweg im Grünen mehrere Meter über der hektischen Stadt.

Samstag, 2. Februar 2013

Bitte recht familienfreundlich

"Kinder sollen den Eltern möglichst früh entrissen werden, um sie in staatleichen Einrichtungen zu erziehen und auszubilden." Dies sei, so schreibt die SVP in ihrem "Extrablatt", die Stossrichtung des neuen Artikels zur Familienpolitik, über den am 3. März 2013 abgestimmt wird. Das ist natürlich Unsinn. Im Verfassungsartikel geht es darum, dass Bund und Kantone "die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit oder Ausbildung" fördern, wobei die Kantone "für ein bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen" besorgt sind. So komme ich beim Lesen des SVP-Extrablattes aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Sonntag, 27. Januar 2013

Zettelkästen und Internetrecherchen



Das Internet hat Bibliotheksrecherchen für Wissenschaftler deutlich einfacher gemacht. Es gibt aber erstaunliche Nebeneffekte der digitalisierten Welt: Informationen, die heute schwieriger zu beschaffen sind, als damals, wo Bibliothekskataloge noch Karteikasten waren. Deshalb hier ein Stück Bibliotheksgeschichte aus eigener Erfahrung.

Sonntag, 20. Januar 2013

Die älteste Kirche des Kantons

Die älteste Kirche des Kantons Solothurn ist die Stiftskirche Schönenwerd. Sie ist, so lese ich im Kunstführer, eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika ohne Querhaus - und sie ist mein Arbeitsplatz.